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Agrivoltaik in Berlin & Brandenburg: Synergie zwischen Landwirtschaft und Solarstrom

  • Autorenbild: René
    René
  • 10. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Die Landwirtschaft steht unter Druck: Klimawandel, Ertragsschwankungen und steigende Kosten belasten Landwirte in Berlin und Brandenburg. Gleichzeitig wächst der Bedarf an erneuerbarer Energie. Agrivoltaik bietet eine innovative Lösung, bei der Solarmodule über Feldern oder Obstplantagen installiert werden, ohne die landwirtschaftliche Nutzung zu beeinträchtigen. Die Module spenden Schatten, reduzieren die Verdunstung und schützen Pflanzen vor Extremwetter. Gleichzeitig produzieren sie Strom, der vor Ort genutzt oder ins Netz eingespeist wird. Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 rund 750 GW Solarleistung zu installieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die doppelte Flächennutzung zunehmend gefördert. Dieser Beitrag beleuchtet die Funktionsweise von Agrivoltaik, die Vorteile, rechtliche Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten in Berlin und Brandenburg.



Was ist Agrivoltaik?



Agrivoltaik – auch Agri‑PV genannt – bezeichnet die gleichzeitige Nutzung derselben Fläche für die landwirtschaftliche Produktion und die Stromerzeugung. Dabei werden Solarmodule meist in einem bestimmten Abstand vom Boden montiert, sodass Maschinen und Tiere passieren können. Es gibt verschiedene Konzepte:


  • Hochaufgeständerte Anlagen: Die Module befinden sich in zwei bis vier Metern Höhe. Die Höhe ermöglicht den Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen. Zwischen den Modulreihen bleibt ausreichend Abstand, damit Pflanzen genügend Licht erhalten.

  • Nachgeführte Systeme: Einige Anlagen nutzen Tracker, die sich nach dem Sonnenstand ausrichten. Dies erhöht den Ertrag der Module und ermöglicht die Anpassung der Beschattung an den Bedarf der Pflanzen.

  • Spezielle Modultechniken: Halbtransparente Module lassen einen Teil des Lichts durch und reduzieren so die Beschattung. Solche Module werden häufig in Obst‑ und Weinbau eingesetzt.



In der Praxis zeigt sich, dass diese Systeme je nach Kultur unterschiedlich wirken: Gemüse und Beeren profitieren von der Beschattung, während Getreide mehr Licht benötigt. Eine genaue Standortanalyse und Kulturplanung sind daher entscheidend.



Technische Konzepte und Vorteile



Die wichtigsten Vorteile der Agrivoltaik liegen in der doppelten Flächennutzung. Landwirte können einerseits weiterhin ihre Feldfrüchte anbauen und andererseits Solarstrom erzeugen, was zusätzliche Einnahmen bringt. Die Module bieten Schutz vor Hagel, Starkregen und Hitze, wodurch die Erträge stabiler werden. Durch die Beschattung sinkt die Verdunstung, sodass weniger Bewässerung notwendig ist. In einigen Anlagen wird sogar das Regenwasser gesammelt und zur Bewässerung genutzt. Die technische Umsetzung erfordert stabile Konstruktionen, die Wind- und Schneelasten standhalten und Tiere sowie Maschinen nicht behindern. Moderne Anlagen sind so konzipiert, dass sie sich an die Bedürfnisse der Pflanzen anpassen: In Phasen starker Sonne werden die Module so ausgerichtet, dass sie Schatten spenden, während sie in anderen Phasen mehr Licht durchlassen. Zusätzlich können integrierte Sensoren Temperatur und Luftfeuchtigkeit messen und das Energiemanagement steuern.



Förderprogramme und rechtlicher Rahmen in Deutschland



Die Bundesregierung und die Bundesländer haben begonnen, die Agrivoltaik zu unterstützen. In Deutschland gibt es seit 2024 einen eigenen Ausschreibungsrahmen für Freiflächenanlagen, der ab 2025 auch sogenannte „besonderen Solaranlagen“ wie Agri‑PV einschließt. In Italien, Frankreich und Deutschland werden spezielle Zuschläge gewährt, um den Bau solcher Anlagen zu fördern . Auch die EU stellt Fördermittel zur Verfügung, um die Zielvorgaben zu erreichen. In Berlin und Brandenburg können Landwirte von den Programmen zur Förderung erneuerbarer Energien profitieren. Die Förderrichtlinien sehen Zuschüsse für Machbarkeitsstudien, Investitionskosten und Betriebsmittel vor. Darüber hinaus können Agri‑PV‑Projekte bei Ausschreibungen zusätzliche Prämien erhalten. Wichtig ist, dass die Anlagen in landwirtschaftlichen Vorranggebieten zulässig sind und der landwirtschaftliche Nutzen im Vordergrund steht. Landwirte sollten sich frühzeitig informieren und Beratungsangebote nutzen, um Fördermöglichkeiten zu maximieren.



Best Practices und Beispiele in Berlin & Brandenburg



Obwohl Agrivoltaik in Deutschland noch relativ neu ist, gibt es bereits einige Vorzeigeprojekte. In Brandenburg wurden auf Spargel- und Beerenfeldern modulare Anlagen installiert, die den Ertrag der Pflanzen stabilisieren und gleichzeitig Strom liefern. Landwirte berichten, dass der Schatten die Qualität der Früchte verbessert und die Bewässerungskosten sinken. In Berlin wird Agri‑PV vor allem im Bereich der urbanen Landwirtschaft getestet, beispielsweise in Gewächshäusern und auf Gemeinschaftsgärten. Hier dienen die Module auch als Wetterschutz und tragen zur Energieversorgung der Betriebe bei. Erfahrungen aus der Praxis deuten darauf hin, dass eine sorgfältige Planung und die Wahl geeigneter Pflanzen entscheidend für den Erfolg sind. Kooperationen zwischen Landwirten, Energieunternehmen und Forschungseinrichtungen helfen, geeignete Konzepte zu entwickeln. Ein Inspektionsdienst kann zudem sicherstellen, dass die Anlagen normgerecht installiert sind und keine Risiken für Menschen und Tiere bestehen.



Herausforderungen und Zukunftsperspektiven



Trotz der vielen Vorteile gibt es Hürden bei der Umsetzung von Agrivoltaik. Die Investitionskosten sind hoch, weil robuste und anpassungsfähige Konstruktionen benötigt werden. Viele Flächen befinden sich in Gebieten mit strengem Naturschutz oder Bodenschutz, sodass Genehmigungen schwierig sein können. Zudem besteht ein Konflikt zwischen dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Erhalt von landwirtschaftlicher Nutzfläche. Dennoch ist Agrivoltaik ein wichtiges Instrument, um Flächennutzung zu optimieren und die Energiewende zu unterstützen. Die Zukunftsperspektiven sind vielversprechend: Mit der Weiterentwicklung von Modulen und Trackingsystemen sowie der Einführung von Förderprogrammen werden sich die Kosten verringern und die Wirtschaftlichkeit verbessern. In Berlin und Brandenburg könnten sich insbesondere Betriebe mit Sonderkulturen und große Flächen für die Umsetzung eignen. Eine sorgfältige Planung, die Einbeziehung von Experten und die Nutzung von Fördermitteln erleichtern den Einstieg.



Fazit zu - Agrivoltaik Berlin Brandenburg



Agrivoltaik ermöglicht es, Landwirtschaft und Solarstrom miteinander zu verbinden und somit Flächen effizient zu nutzen. Für Landwirte in Berlin und Brandenburg bietet diese Technologie eine Chance, zusätzliche Einnahmen zu erzielen, ihre Ernte zu schützen und gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die Kombination aus Förderprogrammen, technischer Entwicklung und regionaler Expertise schafft günstige Rahmenbedingungen. Wer die Chancen nutzen will, sollte sich frühzeitig informieren, Machbarkeitsstudien durchführen und einen professionellen Inspektionsdienst hinzuziehen. So lassen sich die Anlagen optimal an die eigenen Kulturen anpassen und langfristig wirtschaftlich betreiben.


Eine PV-Anlage auf einem landwirtschaftlich genutzten Feld

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