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Südausrichtung vs. Ost-West-Anlage

  • Autorenbild: René
    René
  • vor 6 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Cluster: CLUSTER 2 – MACHBARKEIT & DACHCHECK

Beitragsnummer: 16

Thema: Südausrichtung vs. Ost-West-Anlage


In den bisherigen Beiträgen unseres PV-Ratgebers haben wir uns intensiv mit den bautechnischen Voraussetzungen eines Solardachs beschäftigt. Sie wissen nun, worauf es bei der Traglast ankommt, wie verschiedene Dachformen die Belegung beeinflussen und warum verdeckte Risiken wie Asbest oder ein sanierungsbedürftiges Dach vorab gelöst werden müssen. Wenn die statischen und materiellen Fragen geklärt sind, rückt die geometrische Ausrichtung der Solarmodule in den Fokus.


Lange Zeit galt in der Solarbranche ein unumstößliches Dogma: Solarmodule müssen zwingend nach Süden ausgerichtet werden, um die maximale Leistung zu erzielen. Wer im Jahr 2026 eine Photovoltaikanlage plant, stellt jedoch fest, dass dieses Dogma längst ins Wanken geraten ist. Im Duell Südausrichtung vs Ost West Anlage stehen sich heute zwei völlig unterschiedliche technische und ökonomische Philosophien gegenüber.


Die weitreichenden Änderungen des Strommarktes – wie der rasante Anstieg negativer Börsenstrompreise nach dem Solarspitzengesetz und die ab 2027 geplante CfD-Reform – zwingen uns zu einer völlig neuen Bewertung von Ausrichtungskonzepten. In diesem tiefgehenden Fachbeitrag analysieren wir beide Varianten physikalisch sowie ökonomisch und zeigen Ihnen, welches Konzept für Ihr Dach im Raum Berlin-Brandenburg die höchste langfristige Rendite sichert.


Die klassische Südausrichtung: Maximale Energieerzeugung im solaren Mittag

Die Südausrichtung (Azimutwinkel a=0°) ist das physikalische Kraftpaket unter den Ausrichtungskonzepten. Da die Sonne in Mitteleuropa mittags ihren höchsten Stand erreicht, treffen die Lichtstrahlen bei einer Südanlage im Tagesmittel im steilsten Winkel auf die Moduloberfläche.


Die Südausrichtung zielt auf die absolute Maximierung des jährlichen Energieertrags ab. Bei einem optimalen Neigungswinkel von circa 30° bis 35° fängt eine Südanlage in der sonnenreichen Metropolregion Berlin-Brandenburg (die mit rund 1.080 bis 1.100 Sonnenstunden pro Jahr glänzt ) die maximale Globalstrahlung ein. Solaranlagen erzielen hier im Durchschnitt hervorragende spezifische Jahreserträge von 1.052 kWh pro kWp (Brandenburg) bis 1.055 kWh pro kWp (Berlin).


Der physikalische Haken der Südausrichtung

Obwohl die Südausrichtung den höchsten absoluten Jahresertrag liefert, weist ihre Ertragskurve im Tagesverlauf eine extreme Asymmetrie auf. Die Stromerzeugung konzentriert sich in Form einer steilen Glockenkurve auf die mittleren Stunden des Tages (circa 11:00 bis 14:00 Uhr).


An einem sonnigen Sommertag produziert eine Südanlage in diesem kurzen Zeitfenster gigantische Mengen Strom, die den typischen Grundverbrauch eines Haushalts um das Fünf- bis Zehnfache übersteigen. Am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn der Strombedarf in Haushalten durch Kochen, Waschen und Unterhaltungselektronik am höchsten ist, bricht die Leistung der Südanlage hingegen bereits drastisch ein.


Das Ost-West-Konzept: Das Ertragsprofil dem realen Verbrauch anpassen

Das Ost-West-Konzept bricht bewusst mit dem Ziel des maximalen absoluten Jahresertrags. Hierbei werden die Solarmodule auf zwei entgegengesetzten Dachflächen (eine Hälfte nach Osten, Azimut a = −90°, die andere Hälfte nach Westen, Azimut a = +90°) montiert.


Dieses Belegungskonzept verfolgt eine völlig andere physikalische und wirtschaftliche Logik:


  • Verbreiterung der Ertragskurve: Die Ostmodule fangen die tiefer stehende Morgensonne ein und beginnen bereits sehr früh am Tag mit einer nennenswerten Stromproduktion. Die Westmodule hingegen nutzen die späten Sonnenstrahlen des Nachmittags und Abends. Die resultierende Gesamtertragskurve der Anlage flacht in der Mittagsspitze ab, erstreckt sich dafür aber über ein deutlich breiteres Zeitfenster (oft von 06:00 bis 20:00 Uhr im Sommer).

  • Maximierung des Direktverbrauchs: Da die Stromerzeugung exakt in jenen Stunden stattfindet, in denen der Haushaltsverbrauch seine Spitzen aufweist, lässt sich ein deutlich größerer Anteil des erzeugten Stroms direkt im Haus verbrauchen, ohne den Umweg über einen chemischen Speicher gehen zu müssen.


Der harte physikalische Fakten-Check: Erträge und Wirkungsgrade im Vergleich


Um die beiden Konzepte objektiv zu vergleichen, müssen wir die realen Ertrags- und Flächenparameter gegenüberstellen. Ein Quadratmeter moderner monokristalliner Silizium-Solarzellen (Wirkungsgrad ca. 20 % bis 22 %) erzeugt im Jahresdurchschnitt circa 150 bis 180 kWh Strom.


Je nach gewählter Ausrichtung ergeben sich im Raum Berlin-Brandenburg für eine 10-kWp-Anlage im Jahr 2026 folgende physikalische Leistungswerte:


Die Gegenüberstellung zeigt einen klaren physikalischen Ertragsnachteil der Ost-West-Anlage von rund 14 % beim absoluten Jahresertrag im Vergleich zur Südausrichtung. Doch warum setzt sich das Ost-West-Konzept im Jahr 2026 in der Praxis dennoch immer stärker durch? Die Antwort liegt in den fundamentalen ökonomischen Spielregeln des modernen Strommarktes.


Die ökonomische Disruption: Solarspitzengesetz und negative Strompreise


Die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage wird heute nicht mehr allein durch die Menge des erzeugten Stroms bestimmt, sondern maßgeblich durch den Zeitpunkt der Erzeugung und die Art der Nutzung.


Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis in Deutschland liegt im Jahr 2026 bei rund 37,0 bis 37,2 Cent pro Kilowattstunde. Demgegenüber steht eine staatlich garantierte Einspeisevergütung nach dem EEG, die für das erste Halbjahr 2026 bei Teileinspeisung bis 10 kWp lediglich 7,78 Cent pro Kilowattstunde beträgt.


Daraus resultiert eine extreme Schere: Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom spart Ihnen die vollen 37 Cent Netzbezugskosten, während die Einspeisung ins Netz wirtschaftlich kaum noch rentabel ist. Der Eigenverbrauch ist somit der alles entscheidende Renditetreiber.


Warum das Solarspitzengesetz Südanlagen hart trifft

Verschärft wird diese Situation durch das am 25. Februar 2025 in Kraft getretene Solarspitzengesetz (§ 51a EEG). Dieses Gesetz besagt, dass neue Solaranlagen ab einer Leistung von 2kWp keinerlei Einspeisevergütung mehr erhalten, sobald der Börsenstrompreis am Spotmarkt negativ wird. Diese Nullvergütung greift unmittelbar ab der ersten betroffenen Viertelstunde.


Da an sonnigen Tagen im Frühling und Sommer zur Mittagszeit gigantische Mengen Solarstrom gleichzeitig ins Netz drängen, schnellt die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen rasant in die Höhe :


An einem sonnigen Junitag wird der mittägliche Stromüberschuss einer Südanlage somit im Jahr 2026 über Stunden hinweg de facto mit null Cent vergütet. Eine Ost-West-Anlage hingegen umgeht dieses Problem geschickt: Sie produziert in den Mittagsstunden ohnehin weniger Überschussstrom als eine Südanlage, erzeugt dafür aber morgens und abends – wenn die Börsenstrompreise durch die hohe Nachfrage stabil im positiven Bereich liegen – deutlich mehr wertvollen Strom.


Eigenverbrauchs- und Speicheroptimierung je nach Ausrichtung

Um den wirtschaftlichen Unterschied zwischen Südausrichtung vs. Ost-West-Anlagen im realen Betrieb zu verstehen, betrachten wir zwei repräsentative Modellrechnungen für ein typisches Einfamilienhaus in Berlin oder Brandenburg mit einem Jahresverbrauch von 4.500kWh und einer 10kWp-Solaranlage:


Szenario A: Die klassische Südanlage (10kWp Süd + 10kWh Speicher)

Durch die steile Mittagsspitze der Erzeugung gerät das System trotz Batteriespeicher schnell an Grenzen. Der Heimspeicher ist an sonnigen Tagen oft bereits gegen 11:00 Uhr vollständig geladen. In den darauffolgenden Spitzenstunden der Mittagssonne muss die Anlage enorme Mengen Überschussstrom ins Netz einspeisen. Da in diesem Zeitraum häufig negative Börsenpreise herrschen, verfällt die Einspeisevergütung für diesen Überschuss oft komplett.


  • Eigenverbrauchsquote (EVQ): ca. 40 % (4.000kWh selbst genutzt)

  • Autarkiegrad (AG): ca. 78 %

  • Überschusseinspeisung: 6.500kWh (teilweise von Nullvergütung betroffen)


Szenario B: Die Ost-West-Anlage (10kWp Ost-West + 10kWh Speicher)

Durch das flachere, aber deutlich breitere Ertragsprofil wird der Batteriespeicher gleichmäßig und schonend über den gesamten Tag geladen. Die Mittagsspitze fällt moderat aus, sodass kaum unvergüteter Überschussstrom ins Netz abfließt. Stattdessen wird der am Abend und am frühen Morgen benötigte Strom direkt vom Dach generiert.


  • Eigenverbrauchsquote (EVQ): ca. 50 % (4.500kWh selbst genutzt, da Erzeugungsprofil besser zum Lastprofil passt)

  • Autarkiegrad (AG): ca. 82 % (höhere Unabhängigkeit in den Morgen- und Abendstunden)

  • Überschusseinspeisung: nur 4.500kWh (geringes Risiko durch das Solarspitzengesetz)


Das wirtschaftliche Fazit: Obwohl die Ost-West-Anlage absolut gesehen circa 1.500kWh weniger Strom im Jahr produziert, amortisiert sie sich im Jahr 2026 durch den signifikant höheren Eigenverbrauch und die Vermeidung von Nullvergütungs-Phasen oft ein bis zwei Jahre schneller als eine reine Südanlage.


Technische Feinheiten bei der Belegung: Temperaturkoeffizienten und Hinterlüftung

Neben den reinen Einstrahlungswinkeln müssen bei der Planung von Südausrichtung vs. Ost-West-Anlagen auch thermodynamische Aspekte berücksichtigt werden.


Silizium-Solarzellen besitzen einen negativen Temperaturkoeffizienten der Leistung (γPmax​), der bei modernen TOPCon-Zellen bei circa −0,30% pro °C bis −0,34% pro °C liegt. Das bedeutet: Je heißer die Zelle wird, desto geringer wird ihr Wirkungsgrad.

Die reale, temperaturabhängige Modulleistung P(T) berechnet sich nach der physikalischen Gleichung:


P(T) = PSTC​ ⋅ (1 + γPmax​ ⋅ (TZelle​ − 25°C))


An einem heißen Julitag im Brandenburger Umland erhitzen sich Solarmodule unter direkter Südeinstrahlung im solaren Mittag problemlos auf Zelltemperaturen von TZelle​ = 65°C. Bei einer Differenz von 40K zur Labor-Referenztemperatur (25°C) verliert das Modul rein thermisch bedingt folglich:


40K ⋅ 0,32% / K = 12,8 % seiner Nennleistung


Der thermische Vorteil von Ost-West-Anlagen

Ost-West-Anlagen profitieren hier von einem doppelten Kühleffekt:


  1. Geringere direkte Thermallast: Da die Sonne die Module einer Ost-West-Anlage im Tagesverlauf nie gleichzeitig im senkrechten Winkel trifft, heizen sich die Zellen insgesamt deutlich weniger stark auf als bei einer permanenten, prallen Südeinstrahlung. Die Zelltemperaturen bleiben im Durchschnitt um 10 bis 15 Kelvin niedriger, was den thermischen Leistungsabfall spürbar abmildert.


  2. Hinterlüftung bei Flachdach-Aufständerungen: Ost-West-Systeme auf Flachdächern werden meist in einer geschlossenen "Zick-Zack-Form" (10° bis 15° Neigung) montiert. Dies spart zwar Platz, schränkt jedoch die natürliche Luftzirkulation unter den Modulen ein. Hier muss bei der Planung zwingend auf eine ausreichende thermische Entkopplung und Belüftungsschlitze geachtet werden, um einen Hitzestau zu vermeiden, der den theoretischen Ertragsvorteil der kühleren Ausrichtung ansonsten zunichte machen würde.


Drohnen-Thermografie: Wie Sie Richtungsfehler und Modulschäden verlässlich aufspüren


Die präzise Ausrichtung Ihrer Solarmodule ist das Fundament für eine jahrzehntelange, verlässliche Ertragssicherung. Doch im realen Betrieb lauern unsichtbare Gefahren, die die mühsam kalkulierte Amortisation Ihrer Anlage schleichend zunichte machen. Statistische Erhebungen zeigen, dass fast jede fünfte bis sechste Solaranlage bereits bei der Inbetriebnahme oder im Laufe der ersten Betriebsjahre unentdeckte Mängel aufweist, die zu Ertragseinbußen von 5 % bis 15 % führen.

Dazu gehören unsichtbare Haarrisse im Siliziumkristall (Mikrorisse), fehlerhafte Verkabelungen an den Steckverbindungen oder defekte Bypass-Dioden, die betroffene Module wie ein Flaschenhals blockieren. Da herkömmliche Monitoring-Software lediglich die summierte Gesamtleistung des Wechselrichters am Kellerabgang anzeigt, bleiben diese zellulären Defekte meist über Jahre hinweg völlig unbemerkt.

Das effektivste physikalische Werkzeug, um diese Fehler im laufenden Betrieb und ohne Abschaltung sichtbar zu machen, ist die drohnenbasierte Infrarot-Thermografie nach der internationalen Qualitätsnorm DIN EN IEC 62446-3.

Hier setzt unsere hochspezialisierte Dienstleistung bei Aerolytik an: Mit industriellen Drohnen-Plattformen und hochauflösenden radiometrischen Wärmebildkameras (NETD <0,03K ) fliegen wir Ihre Solaranlage im Raum Berlin-Brandenburg präzise ab. Unter strikter Einhaltung der in der IEC TS 62446-3 definierten meteorologischen Rahmenbedingungen erfassen wir die Modulflächen lückenlos :


  • Eine solare Mindesteinstrahlung von 500W/m2 (vor Ort mittels Pyranometer gemessen).

  • Eine maximale Bewölkung von 2/8 (wolkenloser Himmel zur Vermeidung von Schattenfehlern).

  • Eine maximale Windgeschwindigkeit von 4 Bft. zur Vermeidung unkontrollierter Kühlungseffekte.


Unser softwaregestützter, georeferenzierter Prüfbericht dokumentiert jede thermische Anomalie (Hotspots) zellgenau.Dies gibt Ihnen die absolute rechtliche Sicherheit, versteckte Mängel noch vor dem Ablauf von Herstellergarantien oder Gewährleistungsfristen des Installateurs rechtssicher zu reklamieren, schützt Ihr Gebäude präventiv vor Brandrisiken durch überhitzte Dioden (T>150°C ) und sichert Ihnen die maximale Lebensdauer und Rentabilität Ihrer Photovoltaikanlage.

Direktvergleich zwischen einer Solaranlage mit Südausrichtung und einer Ost-West-Belegung auf einem Hausdach.

Quellen & Referenzen


  • Offizielle Gesetze und Verordnungen: Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023/2026) , Solarspitzengesetz (§ 51a EEG - Nullvergütung bei negativen Preisen) , EU-Strommarktverordnung 2024/1747 (CfD-Reform ab 2027).

  • Technische Normen: DIN EN IEC 62446-3 / IEC TS 62446-3 (Infrarot-Thermografie an PV-Systemen) , VDE-AR-N 4100 (Technische Anschlussregeln Niederspannung).

  • Wissenschaftliche Institute: Fraunhofer-Institut für Solarenergiesysteme (ISE) – Photovoltaics Report 2025/2026 & Energy Charts, HTW Berlin (Unabhängigkeitsrechner).

  • Ertragsdaten: GfK-Solar & Echtsolar Ertragsdatenbanken (Spezifische Erträge für Berlin und Brandenburg 2024/2025).

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